SZ-Wirtschaftsgipfel: Home-Office oder Präsenz? – Wirtschaft

Elon Musk lieferte die perfekte Vorlage. „Zurück ins Büro“, fordert Tesla, inzwischen Twitter-Chef, von seinen Mitarbeitern. Nach zwei Jahren Pandemie ist damit nun Schluss. Und? Hat er Recht? Zumindest in einigen großen deutschen Unternehmen ist die Antwort ganz klar: Nein. Oder wie Unternehmerin Fränzi Kühne sagt: „Das ist einfach doof.“

Stattdessen sind Vertrauen und Solidarität die zwei Schlagworte, die beim NW-Wirtschaftsgipfel in Berlin häufiger fallen. Nicht das schlechteste Fazit nach zwei Jahren Pandemie, einer Zeit, in der sich die Arbeit für Menschen auf der ganzen Welt von Tag zu Tag stark veränderte. Unternehmen haben im Frühjahr 2020 radikal auf Homeoffice umgestellt, darunter auch all jene, die ihren Mitarbeitern bisher noch nie erlaubt hatten, von zu Hause aus zu arbeiten. Manager konnten nicht mehr kontrollieren, wer wann und wie arbeitete. Judith Wiese, Personalvorstand bei Siemens, hat das erlebt: „Auch die größten Zweifler mussten dran glauben. Diese Zweifler haben positive Erfahrungen gemacht. Die Produktivität stieg. Und man konnte selbstständig arbeiten.“

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„Wir machen keine Regeln“

Der Energiekonzern RWE etwa hat Vertrauensarbeitszeit eingeführt: Jeder arbeitet, wann er will. RWE-Personalvorstand Zvezdana Seeger sagt: „Wir machen keine Vorgaben. Wir brauchen den Nachwuchs und dem wollen wir zeigen, dass wir modern sind.“ Sie weist darauf hin, dass die Arbeitnehmervertreter dieses Modell unterstützt hätten. Viele Gewerkschafter sehen zunächst einmal die Gefahren dieser Entwicklung: Vertrauen kann bedeuten, dass Menschen ohne zeitliche Begrenzung und völlige Selbstbestimmung vor allem eines tun: Sie tun mehr.

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Jetzt, wo die Pandemie zumindest unter Kontrolle ist, machen sich Unternehmen Gedanken über das weitere Vorgehen. Wie viel Büro brauchen Sie wirklich? Wiese berichtet von Mitarbeitern des Konzerns in Mexiko, die drei Stunden ins Büro fahren. „Man muss sich sehr genau überlegen, warum man dabei sein will“, sagt Wiese.

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Das geht schließlich nicht, ohne auf Dauer dabei zu sein. Aber wie dann? Volkswagen-Vorstand Gunnar Kilian über den digitalen Schub, den das Unternehmen während der Pandemie gemacht hat. „Jetzt merken wir, dass wir gemeinsam in Präsenz kreativer arbeiten wollen.“ Auch Siemens-Vorstand Wiese berichtet: „Überall dort, wo Zusammenarbeit und Kreativität gefragt sind, muss man sich direkt austauschen.“ Und Seeger von RWE ergänzt: „Das erste Treffen war persönlich, emotional und hat uns einen kreativen Schub gegeben.“

Arbeiten nach Corona: Viele Entscheidungsträger haben während der Pandemie gemerkt, dass Präsenz und Teamwork vor allem für eines wichtig sind: Kreativität.  Sowie RWE-Personalvorstand Zvezdana Seeger.

Während der Pandemie haben viele Entscheider gemerkt, dass Präsenz und Teamwork vor allem für eines wichtig sind: Kreativität. Sowie RWE-Personalvorstand Zvezdana Seeger.

(Foto: Johannes Simon/Johannes Simon)

Wir wollen das Erreichte während der Pandemie bewahren und nicht in die alten Zeiten zurückkehren. Manager und ihre Teams entscheiden, an welchem ​​Tag alle ins Büro kommen. Auch in Fabriken sei mehr Flexibilität möglich, als man denkt, sagt Judith Wiese von Siemens: „Wo man örtlich nicht flexibel ist, kann man zeitlich flexibel sein.“ Für Chefs stellt sich oft die Frage, wie konkret sie sind und ob sie klar sind Aussage gefragt, wann wer wo sein soll Unternehmer Kühne sagt: „Es ist kein Muss, aber Eigenverantwortung.“ Die Teams selbst wüssten viel besser, wenn sie sich sehen wollten.

Arbeit nach Corona: Alle zurück ins Büro? "Das ist einfach Unsinn", sagt Franzi Kühne.  Es steht für Eigenverantwortung.

Alle zurück ins Büro? „Das ist einfach Quatsch“, sagt Fränzi Kühne. Es steht für Eigenverantwortung.

(Foto: Johannes Simon/Johannes Simon)

Als neuer Digital Director bei Edding erlebte Kühne hautnah, warum man sich regelmäßig treffen sollte. „Wenn man sich nicht sieht, ist es extrem schwierig, in ein Unternehmen zu kommen“, sagt sie. „Im Homeoffice kann man nicht erkennen, was es antreibt. Unternehmenskultur entsteht über der Kaffeemaschine.“ Wo die Leute anfangen zu reden.

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