Russland und die Ukraine: Auf dem Weg zu einer “Armee der Drohnen”

Stand: 21.11.2022 06:34

Russland und die Ukraine setzen in der Kriegsführung auf den Einsatz von Drohnen: vom Kleinflugzeug bis zur Hightech-Kampfdrohne. Der Trend ist auch in Entwicklungsländern zu sehen – und in den Geschäftsbüchern der Branche.

Norbert Hahn, ARD Studio Nairobi, derzeit Kiew

Oleksander ist ein ukrainischer Soldat und war kürzlich an der Front. Jetzt hält er einen Joystick in der Hand und schwebt auf einem Computerbildschirm über trockene Wiesen und durch ein offenes Scheunentor. Ziel: lernen, wie man eine Drohne in einer Kampfzone fliegt.

Norbert Hahn

“Es geht darum, feindliche Stellungen auszukundschaften und der Artillerie Koordinaten zu geben”, sagt Oleksander. „Früher hat man Streiks mit Ferngläsern beobachtet und korrigiert. Heute ist Krieg modern. Ohne Drohnen geht es nicht mehr.“

Kurz nachdem dieses Bild aufgenommen wurde, schoss diese Drohne auf ein Gebäude in Kiew, Ukraine. Es handelte sich wahrscheinlich um eine im Iran hergestellte Kampfdrohne.

Bild: picture alliance/dpa/AP

Dutzende von Drohnenschulen

Tausende Drohnenpiloten wurden seit April an dieser Drohnenschule in der Nähe von Kiew und an 16 weiteren im ganzen Land ausgebildet. Benannt sind die Einrichtungen nach dem kurz nach der russischen Invasion von Präsident Wolodymyr Selenskyj gestarteten Programm „Drohnenarmee“.

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UAVs spionieren den Feind aus, warnen die eigenen Truppen vor Hinterhalten, unterstützen die Artillerie oder werfen – oft ergänzt durch selbstgebaute Geräte – kleine Sprengkörper in feindliche Schützengräben.

Die Sprengwirkung mag begrenzt sein, aber dennoch: „Die Menschen, die in den Schützengräben sitzen, können keine Routine entwickeln, weil sie immer Angst haben, getroffen zu werden“, sagt Militärexperte Gustav Gressel. “Das senkt langsam die Moral der dort eingesetzten Truppen.”

Eigene Produktion im Aufbau

Doch die Ukraine verlässt sich längst nicht mehr nur auf Kleinflugzeuge aus den Regalen der Kaufhäuser, von denen viele inzwischen gespendet oder per Crowdfunding erworben werden. So konnten sie in der Anfangsphase des Krieges die türkische Kampfdrohne Bayraktar TB2 einsetzen. Südlich von Kiew wird eine spezielle Produktionsstätte für die Produktion und Wartung von Bayraktar-Drohnen errichtet.

Es kann Waffen mit einem Gewicht von 150 Kilogramm tragen und kann mit verschiedenen Ausrüstungssets ausgestattet werden. Er wurde in mehr als zehn Ländern zum Hit an den türkischen Kinokassen – und 2020 zu einer wichtigen Waffe im Krieg zwischen Aserbaidschan und Armenien.

Russland kauft im Iran ein

Natürlich mischt auch Russland im Drohnenrennen mit, hat aber noch Nachholbedarf. So kam es, dass Moskau nun massiv Drohnen im Iran kauft, vor allem die sogenannten “Kamikaze-Drohnen” der Shahed-Serie, die einen relativ kleinen Sprengkopf tragen und programmierte Ziele angreifen. Medienberichten zufolge will Russland nun in Eigenregie eine Shahed-Drohnenproduktionsstätte errichten – ein entsprechendes Abkommen sei zwischen Moskau und Teheran geschlossen worden, schreibt die Washington Post unter Berufung auf Geheimdienste.

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Israel ist eines der Pionierländer dieses Waffentyps, wo die ursprüngliche Form anscheinend erstmals 1980 entwickelt wurde. Israel und die USA setzen zunehmend auf Drohnen, die im Schwarm abgeschossen werden können, andere passen in einen Rucksack. Manche suchen ihr Ziel selbstständig, andere werden ferngesteuert.

Vorteil: einfache Steuerung

Nahezu die gesamte Bandbreite an Drohnen-Kategorien ist derzeit im Krieg zwischen der Ukraine und Russland im Einsatz zu sehen. „Viele Drohnen sind einfach zu steuern und werden in Zukunft immer autonomer als Menschen. Es ist klar, dass sie im Krieg der Zukunft mitreden werden“, sagt Yehor Nikolaiev, Leiter der Kiewer Drohnenschule „Drone Army“. “.

Sie spielen bereits heute eine wichtige Rolle im Geschäft von Rüstungskonzernen – laut Marktforschern könnte sich der weltweite Umsatz mit Militärdrohnen bis zum Ende des Jahrzehnts auf rund 30 Milliarden Dollar verdreifachen.

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Hersteller und Zulieferer globalisieren sich

Wie sehr sich die im Vergleich zu Kampfjets billigen Drohnen jetzt in ärmeren Ländern ausbreiten, wie neue Länderzulieferer Geschäfte machen und wie Hersteller und Zulieferer globalisieren, der verheerende Bürgerkrieg in Ostafrika ist aktuell ein gutes Beispiel für Äthiopien: die TB2 der Türkei Die Drohne half der äthiopischen Regierung, den Vormarsch der Truppen aus dem Norden der Rebellen in Richtung Hauptstadt zu stoppen, aber auch auf feindliche zivile Ziele zu schießen.

Dann erfuhr der Westen, dass türkische Drohnen wichtige kanadische und österreichische Komponenten enthielten – die beiden Länder verboten den Export, weil der Westen nicht länger verdächtigt werden wollte, das Blutvergießen zu ermöglichen.

Das äthiopische Militär setzt jedoch immer noch Kampfdrohnen ein, wahrscheinlich sowohl chinesischer als auch iranischer Bauart. Städte in der westlichen Region Oromia, wo die Rebellengruppe der Oromo-Befreiungsarmee gegen die Regierung kämpft, wurden in den letzten Tagen beschossen. Die Aufständischen waren nicht in der Lage, Luftdrohungen gegen zivile Ziele abzuwehren.

Und so reagierten sie vergangene Woche brutal mit ihren Mitteln auf Hightech-Luftgewalt: Sie töteten nach eigenen Angaben zwei Kampfdrohnenpiloten in ihrem Hotel in Addis Abeba.

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