Gewinnmitnahmen: Rezessionssorgen stoppen DAX-Rally | tagesschau.de


Marktbericht

Stand: 19.01.2023 18:22

Wiederholte Rezessionsängste in den USA ließen den DAX heute einbrechen. Anleger profitierten von der Erholung zu Jahresbeginn, sodass der Leitindex unter die Marke von 15.000 rutschte.

Die Rally am deutschen Aktienmarkt zu Jahresbeginn ist vorerst vorbei. Seit Jahresbeginn legte der DAX um rund neun Prozent zu, bevor er heute einen Rückgang hinnehmen musste. Aufgrund neuer Sorgen um die Rezession in den USA rutschte der deutsche Leitindex unter die Marke von 15.000 Punkten. Anleger nahmen Gewinne mit.

Der DAX fiel unter 15.000 Punkte

Deutsche Standardwerte kamen heute mit einem satten Minus von 1,72 Prozent auf 14.920 Punkte aus dem Handel. Der MDAX der mittelständischen Unternehmen fiel noch stärker auf 2,5 Prozent. Aus technischer Sicht ist die leichte Korrektur nach der starken Rally zu Jahresbeginn weder überraschend noch besorgniserregend. Doch ein Rückgang unter die Marke von 14.800 am Ende der Woche würde das charttechnische Bild schlagartig trüben.

Marktanalyst Jochen Stanzl von CMC Markets schrieb, dass schwache Daten zur Industrieproduktion und den Einzelhandelsumsätzen in den USA die Besorgnis über einen Rückgang der größten Volkswirtschaft der Welt verstärkten. Zudem verstärkte der gestrige Wirtschaftsbericht der US-Notenbank, das „Beige Book“, diese Befürchtungen einer konjunkturellen Abschwächung.

Zudem exportierte die japanische Wirtschaft erstmals seit sieben Monaten weniger Waren nach China. „Das schürt auch die Angst vor einer weiteren Abschwächung der Weltwirtschaft“, sagte Stanzl.

EZB-Vertreter äußern neue Bedenken hinsichtlich der Zinssätze

Auch von der Europäischen Zentralbank (EZB) kamen heute negative Nachrichten für den Aktienmarkt. Der Chef der niederländischen Zentralbank, Klaas Knot, warnte davor, dass die Zentralbank in den kommenden Monaten nicht vom Kurs der Zinserhöhungen abweichen werde. Die Währungshüter haben für die kommenden Monate bewusst mehrere Anhebungen um jeweils einen halben Prozentpunkt angekündigt. Laut dem Ratsmitglied haben die Finanzmärkte die Entwicklung der EZB-Zinssätze unterschätzt.

Auch EZB-Präsidentin Christine Lagarde bezeichnete heute die Inflation in der Eurozone als immer noch „zu hoch“, trotz des jüngsten Rückgangs und einer Reihe von Zinserhöhungen. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos machte sie deutlich, dass die Notenbank im Kampf gegen die Inflation “auf Kurs” bleiben müsse.

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Wall Street wieder runter

Nach zwei deutlichen Tagesverlusten in Folge geht es auch an der Wall Street wieder bergab. Amerikanische Indizes sind besonders von erneuten Rezessionsängsten der größten Volkswirtschaft der Welt betroffen. Erst gestern verzeichnete der marktbreite S&P 500, der heute wieder rund 0,9 Prozent verlor, seinen schwächsten Handelstag seit Mitte Dezember. Der US-Leitindex Dow Jones notiert aktuell um 0,7 Prozent im Minus bei 33.082 Punkten. Der technisch-lastige Nasdaq 100 fiel um 1,15 Prozent.

Solide Daten zum US-Arbeitsmarkt

Auch die teilweise ermutigenden US-Konjunkturdaten von heute können da nicht helfen. Das Geschäftsklima in der Region Philadelphia hat sich laut Philly Fed Index im Januar stärker als erwartet verbessert. Unterdessen ging die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung überraschend wieder zurück – Analysten hatten jedoch mit einem Anstieg gerechnet.

Der US-Häusermarkt bleibt dagegen weiterhin schwach: Sowohl die Baubeginne als auch die Baugenehmigungen gingen im Dezember weiter zurück.

Euro wieder stärker

Der Anstieg des Wechselkurses des Euro gegenüber dem Dollar hat zugenommen. Die Gemeinschaftswährung wird derzeit bei 1,0817 $ gehandelt, ein Plus von 0,23 Prozent gegenüber dem Vorabend. Eine Unze Gold kostet 0,1 Prozent höher bei 1.909 $.

Die Ölpreise steigen leicht

Die Ölpreise sind heute leicht gestiegen. Am Nachmittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 85,41 US-Dollar. Das waren 44 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der Klasse US West Texas Intermediate (WTI) stieg um 30 Cent auf 79,73 $. Die am Nachmittag veröffentlichten US-Wirtschaftsdaten boten etwas Unterstützung für die Ölpreise. Als größte Volkswirtschaft der Welt sind die USA besonders wichtig für die globale Ölnachfrage.

Nach einem überraschenden und deutlichen Anstieg der US-Rohölreserven gaben die Ölpreise jedoch einen Teil ihrer Gewinne wieder ab. Die Rohölvorräte stiegen nach Angaben des Energieministeriums letzte Woche um 8,4 Millionen Barrel auf 448,0 Millionen Barrel im Vergleich zur Vorwoche.

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Henkel-Aktie mit Doppelbelastung

Die Henkel-Aktie steht im DAX unter Druck. Marktteilnehmer nannten zwei Gründe: Erstens war der Quartalsbericht des US-Klebstoffherstellers und Branchenkollegen HB Fuller enttäuschend. Zudem verwies der Markt auf eine Studie der Berenberg Bank: Analyst Fulvio Cazzol beließ sein Investment-Rating für die Henkel-Aktie auf „Verkaufen“.

Die Tarifverhandlungen gehen weiter

Auch die Deutsche Post steht im Fokus. Die Tarifverhandlungen mit ver.di wurden heute im Konzern mit Sitz in Bonn fortgesetzt. Die Gewerkschaft fordert 15 Prozent mehr Lohn für rund 160.000 Beschäftigte über einen Zeitraum von zwölf Monaten. Aber auch die zweite Tarifverhandlungsrunde brachte keine greifbaren Ergebnisse. Ver.di rief daraufhin die Beschäftigten in allen Post- und Paketzentren zum landesweiten Streik auf.

Ein starker Dollar belastet den Konsumgüterkonzern Procter & Gamble

Ein starker Dollar belastete den US-Konsumgüterkonzern Procter & Gamble im zweiten Quartal des Geschäftsjahres. Der Umsatz ging Ende Dezember um ein Prozent auf rund 20,8 Milliarden US-Dollar (rund 19,2 Milliarden Euro) zurück, wie das Unternehmen heute mitteilte. Procter & Gamble bezifferte die Belastung durch den Wechselkurseffekt mit sechs Prozent. Auf der anderen Seite Bio – dh. währungsbereinigt und ohne Akquisitionen und Devestitionen stieg der Umsatz um fünf Prozent. Während die Mengen zurückgingen, profitierte der Konzern von Preiserhöhungen.

Commerzbank verklagt EY wegen Wirecard-Verlusten

Die Commerzbank will nach der Insolvenz von Wirecard Verluste von rund 200 Millionen Euro ausgleichen. Das Frankfurter Geldinstitut hat in den vergangenen Wochen eine Klage gegen den Wirecard-Wirtschaftsprüfer EY eingereicht, bestätigte eine Sprecherin der Bank heute. EY prüft und zertifiziert seit Jahren die Bilanzen des Münchner Zahlungsabwicklers, bereits in Medienberichten und von Investoren gab es Hinweise auf Fehlverhalten bei Wirecard.

Auto1-Aktien verlieren über 14 Prozent

Die Aktien von Auto1 fielen heute um mehr als 14 Prozent und bildeten das Schlusslicht des SDAX. Nachdem sich die französische Investmentbank Exane BNP Paribas einen Tag zuvor skeptisch gegenüber den Aktien des Online-Autohändlers geäußert hatte, zog nun die US-Bank Goldman Sachs nach. Die Markterwartungen für kurz- und mittelfristiges Wachstum dürften nach unten revidiert werden, meint Analystin Lisa Yang. Sie verwies auf den anhaltenden Druck auf den Gebrauchtwagenmärkten, der sich auch bei den Händlern widerspiegele. Das Konsumumfeld ist schwach, gleichzeitig gehen die Marketinginvestitionen zurück.

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Linux-Spezialist Suse schneidet den Verlust ab

Der Softwareanbieter Suse hielt seine Verluste im vergangenen Geschäftsjahr aufrecht. Das Endergebnis war ein Defizit von 39,5 Millionen Dollar für Linux-Betriebssystemspezialisten. Ein Jahr zuvor hatte Suse mit 207,6 Millionen Dollar noch rote Zahlen geschrieben.

DocMorris-Mutter Zur Rose etwas besser als erwartet

Die Schweizer Online-Apotheke Zur Rose erwartet im vergangenen Jahr bei rückläufigen Umsätzen einen geringeren Betriebsverlust. Beim bereinigten Ebitda rechnet die DocMorris-Mutter nun mit einem Minus von 70 bis 75 Mio. CHF (bisher: 75 bis 85 Mio. CHF).

Roche-Medikamentencocktail senkt das Risiko von Leberkrebspatienten

Eine Kombinationstherapie des Pharmaunternehmens Roche hat bei einer bestimmten Form von Leberkrebs Wirkung gezeigt. In einer klinischen Phase-III-Studie im Spätstadium reduzierte der Wirkstoffcocktail Tecentriq und Avastin das Risiko eines Tumorrezidivs nach chirurgischer Entfernung bei Patienten mit hepatozellulärem Karzinom (HCC) im Frühstadium.

NASA und Boeing planen ein Flugzeug mit weniger Emissionen

Die US-Raumfahrtbehörde NASA und der Raumfahrtkonzern Boeing wollen gemeinsam an einem Passagierflugzeug mit weniger Emissionen arbeiten. Die Raumfahrtbehörde gab gestern bekannt, dass die NASA Boeing in den nächsten sieben Jahren rund 425 Millionen US-Dollar zur Verfügung stellen wird. Boeing und seine Partner würden weitere 725 Millionen Dollar investieren.

Amazon entlässt Tausende Mitarbeiter in den USA und Kanada

Amazon wird Tausende von Mitarbeitern in den USA, Kanada und Costa Rica entlassen. Darüber informierte das Unternehmen seine Mitarbeiter in einem Schreiben, das der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt. Amazon.com-CEO Andy Jassy kündigte Anfang Januar an, dass das Unternehmen etwa 6 Prozent seiner rund 300.000 Mitarbeiter entlassen werde.

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