Gaskrise: Kann eine Privatperson am Spotmarkt Gas kaufen? – Wirtschaft

In diesen Zeiten ist wenig sicher, außer vielleicht eines: Der Gasrabatt wird steigen. Doch während sich Mieter auf gestiegene Gaskosten einstellen, wird Gas seit September am sogenannten Spotmarkt günstiger. Große Unternehmen nutzen diesen Markt, um kurzfristig Gas einzukaufen, weshalb er auch als „Heute-und-Jetzt-Markt“ bezeichnet wird. Dort fiel der Preis für eine Kilowattstunde zuletzt auf umgerechnet rund drei Cent pro Kilowattstunde, bevor er wieder auf aktuell elf Cent anstieg. Zum Vergleich: 2020 – lange vor der Gaskrise – zahlten Sie bei Ihrem Gasversorger durchschnittlich knapp sieben Cent. Da stellt sich die Frage: Können Sie als Privatperson nicht auch von günstigeren Preisen am Spotmarkt profitieren?

Warenbörse

Erster Versuch: Gang zur europäischen Rohstoffbörse European Energy Exchange AG. Oder kurz: EEX. Sie hat ihren Sitz in Leipzig und organisiert den Spotmarkt für Gas, Strom und andere Rohstoffe. Allein im vergangenen Oktober wurden am globalen EEX-Erdgas-Spotmarkt 346,3 Terawattstunden gehandelt. Eine Terawattstunde entspricht einer Million Megawattstunden oder einer Milliarde Kilowattstunden. Zum Vergleich: Der Jahresverbrauch einer Familie in einer 100-Quadratmeter-Wohnung wird auf durchschnittlich rund 15.400 Kilowattstunden für Heizung und Warmwasser geschätzt. Und da fangen die Probleme an. Denn die Mindestmenge, die Sie im Gasspeicher der EEX kaufen müssen, beträgt ein Megawatt. Für den privaten Gebrauch zu viel.

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Vielleicht hat die EEX deshalb relativ strenge Regeln, wer an die Börse gehen darf: Nur zugelassene Unternehmen mit einem Eigenkapital von mindestens 50.000 Euro. Außerdem müssen sich Händler – im Fachjargon „Händler“ – einer Ausbildung unterziehen. Einfach zur Rohstoffbörse zu gehen, auch als Privatperson, geht nicht.

Gasversorger

Also liegt es an den Gasversorgern. Den Stadtwerken München sind Tarife auf Basis des Spotmarktes bekannt. Immerhin bieten sie einen dynamischen Stromtarif, der sich am Preis am Spotmarkt für Strom orientiert. Anbieter ab einer bestimmten Größe sind sogar gesetzlich verpflichtet, ein solches Tarifmodell anzubieten. Dieses Modell hat jedoch einige Voraussetzungen. Zum Beispiel ein „intelligentes Messsystem“, das den Verbrauch zeitgenau messen kann. Bieten Stadtwerke in München auch einen solchen dynamischen Gastarif an? „Nein“, antwortet das Stadtwerk, „bislang fehlt die technische Grundlage für die Umsetzung eines dynamischen Gastarifs“.

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So ist es auch bei der Gasaga AG, die Berlin mit Gas versorgt. Es gibt kein Messsystem und somit auch keinen dynamischen Gastarif. Eine flächendeckende Einführung eines dynamischen Gastarifs ist in absehbarer Zeit nicht zu erwarten: „Es gibt derzeit keine Überlegungen, das Recht auf Gaslieferverträge auf dynamische Tarife im Energiegesetz zu verankern“, heißt es aus dem Bundeswirtschaftsministerium.

Prof.

Wer mit Profis im Spotmarkt sprechen will, kommt an Andreas Clor nicht vorbei. Er ist Geschäftsführer von EGT Energievertrieb, einem auf dynamische Energietarife spezialisierten Energieversorger aus dem Schwarzwald. Clor ist zuversichtlich: Gastarife auf Basis des Spotmarktes haben sich in den letzten Jahren im Durchschnitt in den meisten Fällen besser bewährt.

Um das zu beweisen, hat Clor einige Zahlen aus den letzten Jahren. Der Spotmarktpreis liegt damit im Durchschnitt unter dem langfristigen Terminmarktpreis, zu dem Monate oder Jahre im Voraus eingekauft werden kann. An diesen längerfristigen Preisen orientiert sich der klassische Gastarif. Auch in den kalten Monaten, wenn die Heizungen anlaufen, ist der Spotmarkt meist etwas günstiger.

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Nun ist 2022 kein normales Jahr. Aber auch in diesen untypischen Zeiten liegen die Spotmarktpreise aktuell wieder unter denen des langfristigen Handels – unabhängig von der Heizperiode. Bis Ende Oktober würden Sie dagegen bis zu 10,5 Cent pro Kilowattstunde sparen. Im März war das anders: Am Spotmarkt war eine Kilowattstunde rund 17 Cent teurer. Daher sind Schwankungen normal. Aus diesem Grund hebt Clor den Durchschnittspreis während des Jahres hervor, der so große Schwankungen glättet.

Geht man vom durchschnittlichen Verbrauch im November und den erwähnten 10,5 Cent Differenz für den ganzen Monat aus, könnte eine durchschnittliche Familie in einer 100-Quadratmeter-Wohnung bis zu 180 Euro sparen. Aber auch EGT Energievertrieb kann derzeit nicht von Spotpreisen profitieren. Grund ist die neue Kundenstation: Sie hat nach Angaben des Unternehmens keine Kapazitäten mehr, um neue Kunden aufzunehmen. Ohnehin bietet Clor Privatkunden nur in Ausnahmefällen einen dynamischen Gastarif an. EGT richtet sich in erster Linie an Kunden aus Industrie und Handel. Der Spotmarkt bleibt für private Käufer geschlossen.

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