Energiepreise und -verbrauch in Deutschland am Freitag, 11.11.2022

Vor dem Angriffskrieg gegen die Ukraine lieferte Russland die Hälfte der deutschen Gas- und Kohleimporte und ein Drittel des Erdöls. Gas dient vor allem zum Heizen von Häusern und Wohnungen und wird auch als Rohstoff in der Industrie verwendet. Auch für die Stromerzeugung ist Gas bislang unverzichtbar, um Schwankungen der erneuerbaren Energien auszugleichen.

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Teure Ersatzlieferung

In den letzten Monaten ist der Anteil der Importe aus Russland stark zurückgegangen. Sie werden durch Gasimporte aus anderen europäischen Ländern und Lieferungen von verflüssigtem Erdgas (LNG) aus verschiedenen Ländern der Welt ersetzt. Diese Ersatzlieferungen müssen deutsche Verbraucher teuer bezahlen.

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Bereits im Herbst 2021 ist der durchschnittliche Preis pro Kilowattstunde für Neukunden deutlich gestiegen. Die nächsten Preissprünge erfolgten nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 und als Folge der Reduzierung der Gaslieferungen ab Juni 2022. Im Herbst fielen die Preise wieder.

Die Gaspreise können je nach Region um wenige Cent variieren.

Daten

Informationen zu den Gaspreisen erhält man über das Vergleichsportal Verivox, das eine Datenbank mit aktuellen Gastarifen verschiedener Anbieter betreibt. Das Portal berechnet die jährlichen Gesamtkosten eines Haushalts mit drei bis vier Personen, der 20.000 Kilowattstunden Gas verbraucht. Für diese Musterhaushalte ermittelt Verivox nun das günstigste Angebot in jedem PLZ-Gebiet. Daraus errechnet das Deutsche Redaktionsnetzwerk (RND) für jeden Arbeitstag einen nach der Anzahl der Haushalte im jeweiligen PLZ-Gebiet gezogenen deutschen Durchschnitt. Die Preise gelten für Neuverträge – Bestandskunden mit älteren Verträgen zahlen in der Regel weniger. Nicht von Verivox gelistete Gaslieferanten werden nicht berücksichtigt. Für die Deutschlandkarte wurden die Postleitzahlengebiete der Landkreise und kreisfreien Städte zusammengefasst.

Der Gasverbrauch ist temperaturabhängig

Im Jahr 2022 verbrauchte Deutschland typischerweise weniger Gas als in den Vorjahren. Da Anfang 2022 deutlich milder war als im Vorjahr, wurde relativ wenig Gas zum Heizen verwendet. Darüber hinaus erzielten Industrieunternehmen Einsparungen, die auf steigende Gaspreise reagierten (wählen Sie „Industrieunternehmen“ aus der nachstehenden Grafik). Der Gasverbrauch in Deutschland lag im Jahr 2022 trotz Knappheit phasenweise über dem Niveau des Vorjahres.

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Daten

Daten zum deutschen Gasverbrauch stammen von Trading Hub Europe (THE), einem Joint Venture der deutschen Ferngasnetzbetreiber. Der Verbrauch von Großkunden wird täglich gemessen. THE schätzt den Verbrauch einzelner Haushalte und Kleingewerbe auf Basis der Vorjahreswerte unter Berücksichtigung aktueller Witterungsbedingungen, die einen großen Einfluss auf den Heizwärmebedarf haben. Ab dem 1. Oktober 2021 werden die Daten täglich über die Schnittstelle abgefragt, während die Daten bis zum 30. September 2021 aus DEM Archiv für die ehemaligen Marktgebiete NetConnect Germany und Gaspool stammen. Wir zeigen den Tagesverbrauch in Deutschland im 7-Tages-Durchschnitt. Die Informationen werden immer an Werktagen aktualisiert. Die Durchschnittstemperaturdaten in Deutschland stammen vom Deutschen Wetterdienst. Aus den Werten einzelner Sender errechnet RND jeden Tag einen Bundesdurchschnitt.

Russland liefert nicht mehr

Im Mittelpunkt steht dabei der Gasfluss durch die Pipeline Nord Stream 1 von Russland über die Ostsee nach Greifswald. Der Betreiber Gazprom drosselte die Lieferungen wegen angeblicher technischer Probleme Mitte Juni 2022 zunächst auf 40 Prozent der normalen Kapazität. Nach der jährlichen Wartung im Juli erhöhte Gazprom das Volumen der Pipeline auf nur noch 20 Prozent. Anfang September setzte Russland die Lieferungen wegen angeblicher Reparaturen erneut aus und hat sie seitdem nicht wieder aufgenommen.

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Ende September wurden schließlich Lecks in der Pipeline entdeckt. Zumindest haben sie keinen Einfluss auf die Gasversorgung, da Russland den Gasfluss bereits abgestellt hatte.

Daten

Die EU-Verordnung zwingt europäische Netzbetreiber, zu melden, wie viel Gas durch Pipelines fließt. Der Verein Entso-G sammelt und veröffentlicht diese Informationen. RND fordert dies werktäglich über die Schnittstelle an.

Ziele erreicht werden

Bereits am Vorabend des Krieges hatte Russland den Strom nach Deutschland eingedämmt. Eine Folge davon war, dass der Erdgasspeicher der Gazprom-Tochter im niedersächsischen Rehden, Deutschlands größter Erdgasspeicher, im zeitigen Frühjahr nahezu leer war. Der Speicher steht derzeit unter der Kontrolle der Bundesnetzagentur und wird schnellstmöglich befüllt. Dies ist derzeit auch ohne Gaslieferungen aus Russland möglich.

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Gasversorger sind gesetzlich verpflichtet, ihre Tanks bis zum 1. November zu mindestens 95 Prozent zu füllen. Als Zwischenziele sieht das Gesetz eine Auslastung von 75 Prozent zum 1. September und 85 Prozent zum 1. Oktober vor. Wären alle deutschen Speicher komplett gefüllt, würde die Gasmenge ausreichen, um Deutschland für zwei bis drei Monate mit der durchschnittlichen Kälte zu versorgen. Deutschland braucht Nachschub an seinen Pipelines und LNG-Terminals, um gut durch den Winter zu kommen.

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Daten

Gasspeicherfüllstände in Deutschland werden von den Betreibergesellschaften kontinuierlich an die AGSI-Plattform des GIE-Verbandes gemeldet. Wir fordern diese Informationen an jedem Geschäftstag über die Schnittstelle an.

Altes Level nach Tankrabatt

Der Krieg in der Ukraine hat nicht nur die Gaspreise in Deutschland explodieren lassen, sondern auch die Benzin- und Dieselpreise massiv in die Höhe getrieben. Um Autofahrern finanziell zu helfen, hat die Bundesregierung für die Monate Juni, Juli und August 2022 den sogenannten Tankrabatt eingeführt. Die Energiesteuer wurde vorübergehend auf das europäische Minimum gesenkt. Nach dem Auslaufen der temporären Steuersenkung stieg der Kurs erwartungsgemäß wieder an, erreichte aber nicht wieder das hohe Niveau zu Jahresbeginn.

Daten

Kraftstoffpreisinformationen werden vom Bundeskartellamt an Anbieter von Verbraucherinformationsdiensten übermittelt. Eines davon ist das Portal tankerkönig.de, über dessen Schnittstelle RND Daten erhält. Die Preise basieren auf Meldungen aller Tankstellen in Deutschland. Daraus errechnen wir den Tagesdurchschnittspreis von Diesel, Super E10 und Super E5. Die Informationen werden immer an Werktagen aktualisiert.

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Im Sommer wurde viel Gas verbraucht

Die zweite Eskalationsstufe des Gasnotfallplans wegen der Einstellung der Gasversorgung gilt ab Ende Juni. Die Bekanntgabe der sogenannten Warnstufe erlaubt der Bundesregierung, wieder mehr Kohlekraftwerke einzusetzen, um den Gasverbrauch bei der Stromerzeugung zu senken.

Im Sommer produzierte die Windkraft jedoch so wenig Strom, dass selbst die reichlich produzierte Sonnenenergie das Defizit nicht ausgleichen konnte. Zudem waren im Sommer mehrere Kernkraftwerke in Frankreich außer Betrieb, sodass noch einige Gaskraftwerke in Deutschland einspringen mussten.

Thunberg befürwortet den Weiterbetrieb der deutschen Atomkraftwerke

Die Energiekrise gibt Anlass zu Überlegungen, die vorzeitige Abschaltung der verbleibenden Kernkraftwerke in Deutschland zu verschieben.

Daten

Über die Schnittstelle der Bundesnetzagentur fragen wir werktags automatisch Strommarktdaten ab.

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Teuren Strom durch Gaskraftwerke

Nach dem angewandten „Rule of Merit Prinzip“ wird der Energiebedarf zuerst durch den Betrieb des Kraftwerks mit den geringsten Kosten gedeckt. Andere, teurere folgen, und schließlich gibt das letzte bedarfsgerechte Kraftwerk den Preis vor. Dies sind derzeit meist teure Gaskraftwerke. Folglich erhöht der Gasmangel auch den Strompreis.

In den Regionen unterscheidet sich der Lichtpreis erheblich vom Gaspreis. In einigen Regionen Deutschlands müssen Verbraucher doppelt so viel bezahlen wie in anderen.

Daten

Informationen zu den Strompreisen erhält man über das Vergleichsportal Verivox, das eine Datenbank mit aktuellen Stromtarifen verschiedener Anbieter führt. Errechnet wird der Bedarf eines Drei- bis Vier-Personen-Haushalts mit einem durchschnittlichen Stromverbrauch von 4.000 Kilowattstunden Strom. Für diese Musterhaushalte ermittelt Verivox nun das günstigste Angebot in jedem PLZ-Gebiet. Daraus wird die RND für Deutschland jeden Wochentag gemittelt, gewichtet mit der Anzahl der Haushalte im jeweiligen PLZ-Gebiet. Für die Deutschlandkarte sind Postleitzahlen von Landkreisen und Stadtteilen zusammengefasst. Die Preise gelten für Neuverträge – Bestandskunden mit älteren Verträgen zahlen in der Regel weniger. Nicht bei Verivox gelistete Stromlieferanten werden nicht berücksichtigt. Dazu gehören die Hauptlieferanten, die in manchen Regionen Deutschlands die günstigsten Anbieter sind, aber nicht immer für Veränderungen offen sind.

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Hohe Energiepreise verteuern derzeit fast alle Produkte des täglichen Bedarfs. Die Inflation in Deutschland ist auf dem höchsten Stand seit 70 Jahren.

Um kontinuierlich die aktuelle Situation der deutschen Energieversorgung widerzuspiegeln, holt sich das deutsche Redaktionsnetzwerk werktäglich aktuelle Informationen und veröffentlicht sie auf dieser Seite.

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