Ein Dynamo-Trainer zwischen Sport und Stasi

Dresden. Walter Fritsch ist vielen als „Meistertrainer“ von Dynamo Dresden bekannt. Als aufmerksamer Beobachter und Chronist hielt er seine Erlebnisse in Tagebüchern, Skizzen und Beschreibungen fest. Fritsch, 1920 in Plenitz bei Zwickau geboren, war von 1969 bis 1978 Trainer der Schwarz-Gelben aus Albflorenz.

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Fritsch produzierte „Dresdner Kreisel“.

In dieser Zeit gewann das Team 1971 und 1977 fünf Meistertitel und zwei Pokalsiege, jeweils im Doppel. Es ist die bisher erfolgreichste Zeit des Vereins, die legendären Spiele gegen den FC Bayern München (1973) fielen in diese Zeit, und die technisch hervorragende Spielweise der Dresdner erhielt das Label „Dresdener Kreisl“.

Walter Fritsch auf der Bank von Dynamo Dresden.

Walter Fritsch auf der Bank von Dynamo Dresden.

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Fritsch blieb dem Verein auch nach dem Wechsel 1989 verbunden. 1997 starb er im Alter von 77 Jahren an einer schweren Krankheit. Das neue Ausbildungszentrum von Dynamo Dresden in Osterhaga heißt Walter-Fritzsch-Akademie.

„Systemtreu und stur“

„Systemtreu und eigensinnig“ nennt ihn Hans-Jürgen Kreische in einem Buch von Uwe Karte. Der Dresdner Journalist zählt zu den besten Kennern der Vereinsgeschichte und ist der Öffentlichkeit auch durch seine aktuellen Sportreportagen bei ARD und MDR bekannt. 2005 stieß Carte auf die Tagebücher des Meistertrainers und bereitete sie für sein knapp 500 Seiten starkes Buch auf und reicherte sie mit vielen Berichten älterer Dynamo-Leute wie Kreisha, Klaus Sammer oder Ralph Minge an.

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Kreisha, der mit Fritsch wohl immer gegen den Fremden ankämpfen musste, zielte auf die fußballerische Seite des Trainers, der überwiegend im 4-3-3-System spielte und ihn nur selten von seinen eigenen Ideen abbrachte. Nach allem, was bekannt ist, kann “Systemtreue” sicher interpretiert werden.

Vermeiden Sie es, aus der Republik zu fliehen

Mit den internationalen Auftritten von Dynamo Anfang der 1970er-Jahre wuchs auch das Interesse der DDR-Staatssicherheit an dem Verein. Etwa zur gleichen Zeit erließ Geheimdienstchef Erich Milke weitreichende Vorschriften dazu. Die Sportler müssen möglichst umfassend überwacht werden, auch in ihrem Privatleben, um vor allem eines zu vermeiden: die sogenannte Republikflucht. Es galt als eine der größten politischen Niederlagen im SED-Staat DDR, als ein bekannter Sportler dem Arbeiter- und Bauernstaat, dem vermeintlich überlegenen System, den Rücken kehrte und vielleicht beim „Feind“ Karriere machte Klasse” im Westen. Um dies zu verhindern, wird die Stasi die Gruppe mit einem dichten Spionagenetz, den inoffiziellen Arbeitern, anlocken und dafür Schauspieler, Ärzte und Beamte einsetzen.

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Bei Walter Fritsch hatten Stasi und SED leichtes Spiel. „Er war in Bezug auf einen Vornamen mit allen Dimensionen“, erklärt Carta. Politischer Widerstand war nicht zu erwarten. Dynamo war eine von Polizei, Stasi und Zollschutzbehörden unterstützte Sportgemeinschaft. Fritsch hat dies offenbar akzeptiert und versucht, sich nur noch um seinen Sport zu kümmern. Die bei Dynamo unvermeidliche politische Ausbildung habe Fritsch “elegant absolviert, für ihn keine wirkliche Rolle gespielt – obwohl er eigentlich der Ideologie folgte”, erklärt der Journalist Carta, der zwei Jahre an dem Buch gearbeitet hat.

Ein Vortrag im Stasi-Unterlagen-Archiv

Am Donnerstag, 27. Oktober, stellt der Schriftsteller Uwe Karte in einem Vortrag im Stasi-Archiv (ehemalige Behörde des Bundesbeauftragten für Stasi-Unterlagen) einige Kapitel aus seinem „Tagebuch des Walter Fritzsch“ vor und berichtet über seine Recherchen. Die Lesung folgt auf den Besuchertag im Archiv, das heute Teil des Bundesarchivs ist.

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Zwischen 9:00 und 18:00 Uhr können sich interessierte Bürgerinnen und Bürger über die Einsichtnahme in Stasi-Unterlagen informieren und beraten lassen. Ist es auch möglich, die Dokumente verstorbener Familienangehöriger einzusehen? Welche Möglichkeiten gibt es, Spitznamen zu entschlüsseln? Diese und weitere Fragen beantwortet das Archivteam. Sie helfen auch bei der Umsetzung und erklären die gesetzlichen Regelungen. Der Antrag auf persönliche Einsichtnahme in die Stasi-Unterlagen kann direkt auf der Website gestellt werden. Hierfür ist ein gültiges Personaldokument erforderlich.

Führung durch das Archiv

Bei einer Führung durch das Archiv ab 16.30 Uhr erhalten die Gäste einen Überblick über die besondere Geschichte des Archivs, seine Bestände und deren Nutzung sowie die Arbeitsweise der Staatssicherheit. Ausgewählte Dateien werden angezeigt. Hierfür ist eine Anmeldung erforderlich. Um 18:00 schließt der Vortrag von Uwe Karte den Besuchertag ab. Freier Eintritt.

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Besuchertag, Donnerstag, 27. Oktober 2022, 9:00 bis 18:00 Uhr, Stasi-Unterlagen-Archiv Dresden, Riesaer Straße 7 (Eingang D), 16:30 Uhr Führung durch das Archiv, Vortrag um 18:00 Uhr Aufgrund der begrenzten Plätze bittet das Archiv um telefonische Anmeldung für eine Archivführung oder telefonisch unter 0351 2508-3411.

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