Dem Vergessen entrissen: Karikaturen-Ausstellung in Starnberg – Starnberg

Einer der berühmtesten Cartoons von Duwdiwani, in dem Jecheskiel David Kirszenbaum seine Zeichnungen signiert, zeigt einen dicken Händler in einem Stresemann-Anzug, der Raketen, Munition und sogar eine kleine Haubitze in einem Tablett an einen Verkäufer verkauft. Er trägt eine Gasmaske und hält ein Schild mit der Aufschrift „Contemporary Consumer Goods“ https://news.google.com/__i/rss/rd/articles/ „Die einzige Branche, in der das Geschäft noch rund läuft“, heißt es weiter unten. Damit kritisierte der jüdische Künstler 1932 in der Satirezeitschrift „Roter Pfeffer“ mitten in der Wirtschaftskrise das Waffengeschäft.

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90 Jahre später sieht die Zeichnung bemerkenswert aktuell aus, auch wenn die heutige Zeit nicht mit der Zeit der Weimarer Republik zu vergleichen ist. „Jecheskiel David Kirszenbaum (1900-1954) – Bauhaus-Schülerkarikaturen über den Zeitgeist der Weimarer Republik“ ist der Titel der Ausstellung der Volkshochschule Starnberger See und Herrsching, die bis 2018 im Foyer der Starnberger Kreissparkasse zu sehen ist 29.11.

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Der Künstler Kirszenbaum war in der Weimarer Republik bekannt. Der gebürtige Pole verließ 1920 sein Dorf als Bergmann im Ruhrgebiet, bevor er am Bauhaus in Weimar bei Malern wie Paul Klee und Wassily Kandinsky studierte. Kirszenbaum geht nach Berlin und reüssiert auf großen Ausstellungen. Parallel zur Malerei beschäftigten ihn berühmte Satirezeitschriften wie „Jugenda“ als Karikaturist. Dort nennt er sich „Duwdiwani“. Das ist der hebräische Begriff für einen Kirschbaum, erklärte VHS-Dozent und Kunsthistoriker Stefan Müller bei der Eröffnung der Ausstellung am Dienstag.

Ausstellung: Der jüdische Künstler Jecheskiel David Kirszenbaum (1900-1954) malte und zeichnete in diesem Stil.

Der jüdische Künstler Jecheskiel David Kirszenbaum (1900-1954) malte und zeichnete in diesem Stil.

(Foto: Kirszenbaum Estate, Tel Aviv)

Kirszenbaum scheint eine erfolgreiche Zukunft bevorzustehen, doch nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten kam es anders. Ein Jude darf nicht mehr malen, nicht einmal Malutensilien kaufen. 1933 floh er mit seiner jüdischen Frau nach Paris. „Da sieht man sein Talent. An der École de Paris wurde er mit einem Kuss aufgenommen“, berichtet Müller. Ein weiteres Mitglied ist Marc Chagall, dessen Malstil an Kirszenbaum erinnert. 1940 wurde Paris besetzt und Juden dort verfolgt. Kirszenbaum wurde verhaftet, konnte fliehen und sich bis Kriegsende verstecken. Seine Frau kann das nicht. Er stirbt in Auschwitz.

Den Nazis gelang es beinahe, sein gesamtes Werk zu vernichten und jegliche Erinnerung an den Künstler auszulöschen, so wie „sie alles daran setzten, die Erinnerung an Künstler wie Kirszenbaum zu vergessen“, so Müller. Hunderte von Kirszenbaums Gemälden wurden zerstört. Die Cartoons der Zeitschrift überlebten jedoch.

Seinem Urneffen ist es zu verdanken, dass Kirszenbaums Werk wiederentdeckt, dem Vergessen entrissen wurde, wie Müller es ausdrückte, und dass die Biographie des Künstlers möglichst weit zurückverfolgt werden konnte.

Ausstellung: Die Ausstellung in der Volkshochschule Weimar enthält zusätzliche Erläuterungen.

Die Ausstellung in der Volkshochschule Weimar enthält zusätzliche Erläuterungen.

(Foto: Jana Islinger)

Die Ausstellung sei im vergangenen Jahr in Weimar im Rahmen des Jubiläumsjahres „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ konzipiert worden, erklärt die Leiterin der Volkshochschule Christine Loibl. Jetzt tourt das Stück durch ganz Deutschland. Die Karikaturen werden von Fotografien und Erläuterungen begleitet, die die politischen und gesellschaftlichen Umstände erläutern, in denen die Karikaturen angesiedelt sind.

Kirszenbaums Karikaturen sind zunächst noch heiter, er macht sich über gesellschaftliche Phänomene wie die Frauenemanzipation oder den Verbotsgedanken lustig, auch das Bauhaus und seine Künstlerkollegen sind Thema seiner Satire, und im Laufe der Jahre beschäftigt er sich zunehmend mit politischen Themen . „Die Zeichnungen werden immer schärfer und härter“, sagt Müller. Die linksliberalen Magazine, für die Duwdiwani arbeitet, zielen besonders gerne auf die konservative Rechte. Allerdings stellt Kirszenbaum kein Amtsenthebungsverfahren gegen die Nazi-Führung. „Ihm geht es mehr um die zweite Ebene“, sagt Müller.

Nach dem Krieg ging der Künstler 1948 nach Brasilien, wo er sein Kriegstrauma verarbeitete. 1949 kehrte er nach Frankreich zurück und erwarb die französische Staatsbürgerschaft. 1954 starb er an Krebs. „Über die letzten fünf Jahre seines Lebens ist wenig bekannt“, bedauert Müller.

Die Ausstellung umfasst einen Film und Podcast über das Leben von Jecheskiel David Kirszenbaum und eine Audioausstellung für Blinde und Sehbehinderte; beide können über einen QR-Code aufgerufen werden.

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